Fachgespräch Organspende im Bundestag

Veröffentlicht am 25.10.2018 in Veranstaltungen

Die Arbeitsgruppe Gesundheit der SPD-Fraktion hat Mitte Oktober zum Fachgespräch Organspende geladen, um über den angedachten Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministerium für bessere Organisation und Transparenz in der Organspende sowie die Überlegungen zur sog. Widerspruchslösung zu diskutieren. Als ReferentInnen zu Gast waren  Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Paolo Fornara, Direktor des Nierentransplantationszentrums der Universitätsklinik Halle (Saale), den beiden Staats- und Verfassungsrechtler Prof. Dr. Dr. Tade Spranger von der Universität Bonn sowie Prof. Dr. Wolfram Höfling von der Universität Köln, der ebenfalls Mitglied im Deutschen Ethikrat ist sowie Dr. Andrea Dörries, Direktorin a.D. der Evangelischen Akademie Loccum und Eugen Brysch, Vorstand der Stiftung Patientenschutz.

Alle ReferentInnen begrüßten einhellig die gesetzgeberischen Ideen für eine Verbesserung der Organisation und Finanzierung der Organspende in den Krankenhäusern, auch wenn bei einzelnen Punkten offene Fragen bspw. zum Datenschutz der PatientInnen bleiben.

Die Meinungen gingen allerdings beim Thema Widerspruchslösung auseinander. Diese beinhaltet im Kern, dass alle BürgerInnen automatisch Organspender bei einem sogenannter Hirntod sind, außer sie haben dem zu Lebzeiten widersprochen. Bei einer erweiterten Widerspruchslösung werden die Angehörigen in die Entscheidung eingebunden. Während Prof. Montgomery und Prof. Fornara einen solchen Ansatz begrüßten, waren die anderen ReferentInnen skeptischer. Prof. Spranger betonte, dass eine harte Regelung zur Widerspruchslösung aller Voraussicht nach nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sei, da ein Schweigen eines Menschen nicht gleichzusetzen ist mit Zustimmung, was aber bei der Widerspruchslösung angenommen würde. Auch bei der Einbeziehung der Angehörigen sah er rechtliche Schwierigkeiten. Prof. Fornara führte aus, dass die Widerspruchslösung in der Mehrzahl der europäischen Länder angewandt wird und dort gut funktioniert. Für sich allein genommen würde sie allerdings auch in Deutschland wenig bewirken. Hierzu entgegnete Professor Höfling, dass die Ländervergleiche nur bedingt anwendbar seien, da in vielen Ländern, bspw. in Spanien Organtransplantationen auch nach Herzstillstand erfolgen, was in Deutschland verboten ist.

Als Alternative brachte Prof. Fornara eine verpflichtende Entscheidung ins Spiel, wie sie auch in anderen Ländern existiert, wo beispielsweise bei der Beantragung offizieller Dokumente wie Personalausweis oder Führerschein der Wille des Antragsstellers zur Organspende abgefragt wird.

Eugen Brysch, Professor Höfling und Dr. Dörries lenkten den Blick auf die Angehörigen der Spender, die heute oftmals überlastet sind von der Situation, da sie für den Verstorbenen entscheiden müssten. Dr. Dörries bemängelte, dass es zu wenig Informationen auch von Seiten der Institutionen in der Organspende gibt, wie die Angehörigen damit umgehen und welche Hilfestellung sie brauchen. Eugen Brysch führte an, dass eine erweiterte Widerspruchslösung an dem aktuellen Problem nicht helfen würde, da die Angehörigen weiterhin mit der Entscheidung im Ernstfall überlastet wären.

Auch die Arbeitssituation des Krankenhauspersonals wurde thematisiert. Professor Höfling führte an, dass ein gewisses Misstrauen in der Bevölkerung gegenüber der Organspende bestehe, da viele nicht wissen, wie das System genau funktioniere. Selbst viele Ärzte wüssten das nicht. Aus Sicht von Dr. Dörries benötigte das Krankenhauspersonal mehr Unterstützung, insbesondere in den Entnahmekrankenhäusern. Prof. Montgomery sah die Situation weniger kritisch, vor allem das angekündigte Gesetz eindeutige Verbesserungen in den Krankenhäusern brächte. Er mahnte abschließend, dass in der Diskussion oft vergessen würde, dass völlig unabhängig jedweder gesetzlicher Regelung und auch bei perfekter Organisation nur rund 5.000 Menschen in Deutschland pro Jahr überhaupt medizinisch als Organspender in Frage kämen, 12.000 Menschen aber auf einer Warteliste stehen. Diese Lücke wird schwer zu schließen sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Homepage Hilde Mattheis MdB

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